In Sight KTR Podcast Folge 16: KTR Ident – Alles transparent

Julia Ures: „In Sight KTR“ ist hier und wir starten direkt in eine neue Folge, in der wir heute uns einmal das Thema vornehmen: Was ist eigentlich KTR Ident? Ich freue mich sehr über Ihr Interesse und über die beiden Ansprechpartner und Experten zu diesem Thema im Studio. Das sind einmal Karsten Galle, Engineered Business Materialwirtschaft und Disposition, und bei KTR sind Sie wie lange schon? 

Karsten Galle: Ich bin im März 2011 zur KTR Gruppe gekommen.

Julia Ures: Und heute sind Sie hier mitten in „In Sight KTR“ gelandet.

Karsten Galle: Mittendrin. Genau, richtig!

Julia Ures: Und dann haben wir den anderen Carsten, Carsten Mithöfer, Prozessmanager bei der KTR. Und wie lange sind Sie an Bord?

Carsten Mithöfer: Seit 2013.

Julia Ures: Wie häufig haben Sie eigentlich miteinander zu tun? Das ist auch immer so eine ganz spannende Sache 

Carsten Mithöfer: Wir haben vorher relativ wenig miteinander zu tun gehabt und dann haben wir vor vier Jahren dieses Projekt gestartet und seitdem begleiten wir dieses Produkt KTR Ident weiter. Und seitdem haben wir regelmäßig miteinander zu tun. Weil es dann immer um Weiterentwicklungen geht, was können wir noch tun für die Kunden oder auch für den Prozess an sich, wie können wir ihn verbessern? Und deswegen haben wir seitdem eigentlich sehr regelmäßig miteinander zu tun.

Karsten Galle: Ja.

Julia Ures: Zum Beispiel auch heute. Und damit sind wir mittendrin beim Thema KTR Ident. Was genau ist das eigentlich? Und Herr Mithöfer, ich wüsste gerne, wie funktioniert das Ganze?

Carsten Mithöfer: KTR Ident ist der Prozess, wie KTR ihn macht rund um eine Seriennummer zu einem Produkt. Wenn wir zum Beispiel das Handy, was hier liegt, oder dieses Industrie-Handy nimmt, das hat hintendrauf eine Seriennummer. Das ist ganz normal bei solchen Produkten, das ist beim Auto so, das ist bei Handys so, das ist bei Computern so, dass es eine Seriennummer gibt. Und es reicht nicht, dass man hinten eine Seriennummer auf ein Produkt draufmacht, draufschreibt oder draufdruckt, sondern es müssen auch Daten dahinterstecken. Und das ist bei uns, das ganze System rundum KTR Ident, das heißt, wir geben dieser hochwertigen Kupplung eine eindeutige Nummer, die gibt’s nur einmal in diesem KTR-Spektrum, und dann können wir in unserem ERP-System SAP zu dieser Seriennummer Daten hinterlegen, eine zentrale Ablage, die dann genau beschreibt, woraus ist dieses Produkt entstanden und was hat es für Eigenschaften, eindeutig zu diesem Teil.

Julia Ures: Sie haben hier so Aufkleber mitgebracht. Für diejenigen, die uns im Podcast gerade hören und denen das Bild hier jetzt in diesem Augenblick fehlt: Das sind jeweils so 2,5 Zentimeter lange beziehungsweise breite Aufkleber. Da findet man das KTR Logo. Außerdem haben wir hier Ident und dann eine Nummer und einen QR-Code. Und diese Aufkleber, Herr Mithöfer, die kommen dann wo drauf genau?

Carsten Mithöfer: Das ist genau beschrieben, für den Mitarbeiter in der Fertigung ist das genau beschrieben, wo dieser Aufkleber hinmuss, und auf der Zeichnung. Das ist dann mit dem Kunden auch abgesprochen natürlich, wo der Aufkleber hinkommt. Und wenn man jetzt zum Beispiel dann entscheidet in dem Engineering-Bereich, der Aufkleber kommt dann hierhin, dann muss der Werker das in der Fertigung machen und muss dann im Anschluss zu dieser Nummer, zu dieser eindeutigen Nummer, mit diesem Handgerät mobil vor Ort an seiner Werkbank Daten erfassen. Also während des laufenden Prozesses wird er Daten erfassen. Das kann zum Beispiel sein, ein Durchmesser von einer Bohrung, die der Kunde unbedingt wissen möchte, oder andere wichtige Informationen für den Kunden, die er zu diesem Produkt im Anschluss an diesen Wertschöpfungsprozess haben möchte. Das sind die Daten, die wir dann dazu erfassen.

Julia Ures: Herr Galle, also wenn wir das jetzt nochmal zusammenfassen, welche Informationen, welche Daten bekommt also der Kunde, wenn er jetzt diesen QR-Code beispielsweise abscannt?

Karsten Galle: Der Kunde entscheidet bei KTR Ident selber, was ihm wichtig ist, und wenn er vom Ursprung des Materials, das heißt also, die Ursprungscharge aus dem Stahlwerk wissen möchte, woraus die Kupplung entstanden ist, dann kann er die bekommen und alle aufbauenden Eigenschaften, die er für nötig hält oder die er für wichtig hält auch bei dieser Kupplung.

Julia Ures: Das heißt, Sie stellen das für jeden Kunden individuell zusammen?

Karsten Galle: Ja, genau! Grundlage der ganzen Ausarbeitung ist die Spezifikation des Kunden.

Julia Ures: Kann man das eigentlich auch dann später nochmal anpassen? Also wenn der Kunde jetzt sagt, ach Mensch, da ist eigentlich was dabei, das brauchen wir gar nicht, aber andere Informationen brauchen wir vielleicht öfter?

Karsten Galle: Das kann man machen. Ja. Man kann anonyme Teile, die dem Kunden jetzt nicht besonders wichtig waren, die kann man auch nachträglich wieder so spezifizieren, dass wir dazu Daten erfassen können und so weiter. Vielleicht auch noch als Ergänzung, was ich auch wichtig finde: Wir können diese mobile Anwendung weltweit ausrollen oder können alle Unternehmen weltweit anbinden, ohne dass wir da irgendwelche Veränderungen vornehmen müssen. Das heißt also, wenn wir Lieferanten in Indien haben, die für uns wichtige Dokumentationen erfüllen müssen, können die genauso mit dem Handgerät arbeiten wie hier in Deutschland. Und das ist ein großer Vorteil auch. Das ist nicht national begrenzt.

Julia Ures: Also rein praktisch funktioniert das dann so: Sie bereiten IT-mäßig alles vor und schicken dann die Aufkleber und dieses Handheld nach Indien? Kann ich mir das ungefähr so vorstellen?

Karsten Galle: Ja, zum Beispiel.

Julia Ures: Herr Mithöfer, diese App, kann ich die schon für alle KTR Produkte anwenden oder muss da noch einiges erfasst werden, was noch nicht bisher inbegriffen ist?

Carsten Mithöfer: Nein, das kann grundsätzlich für alle KTR Produkte verwendet werden. Das wird jetzt auch zurzeit ausgerollt am Standort Rheine und Umgebung. Also auch die Fertigungsbetriebe, die für uns arbeiten, sind angeschlossen an dieses System. Und grundsätzlich ist es für jedes KTR Produkt geeignet. Wir haben mit Windkraftkupplungen angefangen und inzwischen ganz viele andere Produktsegmente haben wir umgestellt auf diese Systematik. Und jetzt sind wir auch gerade dabei, dass wir die Bremsen auch umstellen bei KWS in Schloß Holte. Die werden jetzt auch mit KTR Ident arbeiten. Und wie Herr Galle gesagt hat, wir werden auch Lieferanten in Zukunft mehr und mehr einbeziehen in diese Systematik, dass wir für alle die Prozesse sicher und schlanker machen.

Julia Ures: Herr Galle, bei „In Sight KTR“ bekommen wir immer wieder Fragen geschickt zu den angekündigten Themen. So in diesem Fall eben jetzt auch zu KTR Ident. Und wenn Sie weitere Fragen für uns haben und Vorschläge für weitere Folgen, dann schicken Sie uns die doch einfach auch gerne an die Mail-Adresse socialmedia@ktr.com. Eine Frage, die uns erreicht hat für heute: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, das Ganze auf den Weg zu bringen? Was für ein Bedarf dahinter beim Kunden hat es da gegeben? Und wie haben Sie den auch festgestellt?

Karsten Galle: Wir haben festgestellt, dass wir für eine Dokumentation einer Windkraftkupplung unheimlich viel Aufwand aufbringen müssen, um die ganzen Dokumente, die ein Kunde da für diese Kupplung haben möchte oder diese Art von Kupplung haben möchte, zusammenzustellen. Das Problem war, die unterschiedlichen Medien zusammenzubringen. Also wir haben E-Mails bekommen, wir haben Excel-Sheets bekommen, PDFs. Ein Mitarbeiter musste sich zum Schluss kurz vor der Auslieferung hinsetzen und musste diese ganzen unterschiedlichen Daten zusammenführen, um dann für den Kunden ein Dokument zusammenzustellen. Jeder Kunde hat ein besonderes Dokument bekommen, was einmalig war. Es gab keine Standards und es war immer wieder sehr aufwendig.

Julia Ures: Klingt nach einer Sisyphusarbeit.

Karsten Galle: Genau! Und das haben wir damit geändert. Wir wollten dem Kunden einen KTR Standard anbieten, das immer wieder gleich aussieht, dass, egal welches Produkt er bei der KTR bestellt, immer wieder in der gleichen Reihenfolge und in der gleichen Optik zur Verfügung gestellt wird. Und so ist das Ganze dann aufgebaut worden. Eigentlich der Anstoß kam aus einer internen Initiative. Damals der Herr Dr. Partmann, der hat uns den Auftrag gegeben, wir möchten uns da bitte drum kümmern, und so ist das Ganze dann intern erstmal angestoßen worden. Es ist dann nachher so weit gegangen, dass tatsächlich Kunden, also bevor wir jetzt livegegangen sind mit der Geschichte, haben wir einen Referenzkunden eingeladen, also an QM-Abteilung, und haben dem unseren KTR Standard gezeigt. Und dieser Kunde hatte eigene Dokumente, die wir für ihn ausgefüllt haben. Er hat sofort gesagt, ich möchte zukünftig euren Standard haben, weil der aufwendiger und besser war als das, was der Kunde sich selber gewünscht hat. Das war schon ein großes Lob.

Julia Ures: Kann ich mir vorstellen. Hört sich gut an. Herr Mithöfer, der Vorteil für den Kunden ist, glaube ich, jetzt schon sehr gut rausgekommen und klargeworden. Was hat denn KTR eigentlich davon, dass Sie dieses Verfahren jetzt hier miteinsetzen?

Carsten Mithöfer: Wir sind überzeugt davon, dass gerade in den Fertigungsprozessen die Abwicklung auch für den Werker an sich schlanker geworden ist. Da haben wir gerade schon gehört, dass da am Schluss jemand saß, der die Sisyphusarbeit machen musste und alle Dokumente zusammensuchen musste. Oder ein anderes Beispiel: Bei großen Kupplungen, wenn dann irgendwas vermessen werden muss da am Schluss, nach dem Fertigungsprozess, da musste die ganze Kupplung nochmal rausgenommen werden, es mussten irgendwelche Maße genommen werden et cetera. Das macht der Werker heute alles, wenn er das Bauteil sowieso gerade auf seiner Werkbank hat. In dem Moment kann er die Dinge prüfen, er kann sie eingeben. Für uns ist es auch ein Schritt zur Digitalisierung der ganzen Prozesse. Ich denke, das ist für KTR ein großer Schritt nach vorne.

Julia Ures: Herr Galle, wie ist das eigentlich, ist das, was die Kommunikation angeht sozusagen, ist das eine Einbahnstraße oder bekommen Sie auch Feedback vom Kunden und können Sie auch darüber Kontakt zum Kunden haben?

Karsten Galle: Das können wir im Moment noch nicht. Es gibt Ideen sowas zu erweitern. Das heißt also, dass der Kundennutzen noch höher wird, dass man den QR-Code oder DataMatrix-Code noch anderweitig verwendet. Aber da laufen zurzeit die Gespräche, wie man sowas anbieten könnte, wie man sowas erweitern könnte. Eine Idee wäre da zum Beispiel, Ersatzteillisten zu hinterlegen oder Montageanleitungen und so weiter, dass der Kunde vor Ort mit seinem Smartphone dann auf solche Sachen zugreifen kann. Aber wie gesagt, wir sind da noch nicht so weit, aber das sind die Überlegungen, die wir so anstellen im Moment.

Julia Ures: Herr Mithöfer, was würden Sie sich wünschen, was dieses ganze System noch können sollte?

Carsten Mithöfer: Auf jeden Fall, dass auch der Kunde von extern zugreifen kann auf diese Daten. Dass er, egal welches Bauteil er scannt von uns, dass er direkt zugreifen kann und sehen kann: Wann haben wir es bestellt? Wann ist es geliefert worden? Wann habe ich es vielleicht eingebaut? Vielleicht dann auch, wie viele Stunden ist es schon gelaufen? Das hat dann auch was mit Wartung zu tun, dass er sehen kann, jetzt so und so viel Stunden hat das Bauteil schon, ich muss es vielleicht nächstes Jahr tauschen. Da ist, glaube ich, noch viel Potenzial. Wir haben jetzt die Datenbasis in SAP, wir haben alle Daten im System, und ich glaube, jetzt geht’s darum, das einfach nochmal auf ein anderes Level zu heben auf Dauer.

Julia Ures: Brauche ich dazu eigentlich Ihr Handheld oder geht das mit jedem beliebigen Endgerät, auf das ich die App aufspiele?

Carsten Mithöfer: Das ist eine App, also man braucht die App, man braucht das entsprechende Betriebssystem dahinter. Das ist im Grunde genommen ein Android-Handy, was da liegt, ein großes und stabiles Android-Handy. Ansonsten könnte man natürlich diese App auf jedem Android-Gerät laden. Im Moment, wie gesagt, ist es für uns eher eine interne App.

Julia Ures: Herr Galle, noch eine Frage, die uns erreicht hat. Diese App, Sie haben das jetzt eben auch beschrieben, ist KTR-intern entwickelt worden, was auch schon eine tolle Leistung ist. Hier ist noch mal ausdrücklich die Frage danach, es gibt doch sicher schon Gedanken, wie Sie das Ganze in Zukunft weiterentwickeln können. Was können die Kunden in Zukunft von KTR erwarten so in dieser Richtung?

Karsten Galle: Ja, das ist das, was ich gerade schon gesagt habe, dass man über diesen QR-Code mehr Möglichkeiten hat, um was zu diesem Produkt zu erfahren. Zum Beispiel die Wartungsintervalle oder wie gesagt Ersatzteillisten, Montageanleitung, das ist das, was wir möglicherweise über einen Webservice dann über die KTR-Seite anbieten möchten. Also noch genauer können wir es an dieser Stelle leider im Moment noch nicht sagen. Wir stehen jetzt in Kontakt mit dem App-Anbieter, wie wir da jetzt weitermachen.

Julia Ures: Herr Mithöfer, ist das irgendwann vorstellbar, dass Sie registrieren, da hat ein Bauteil eine Laufzeit von XY Stunden, die brauchen also bald das Ersatzteil, dass Sie das dann einfach schon mal losschicken?

Carsten Mithöfer: Die Daten sind da, also wir wissen, was der Kunde gekauft hat, wir wissen, wann er es gekauft hat. Wir wissen natürlich nicht, wie viele Stunden es sind. Aber das ist dann natürlich eine Vernetzung von Werten, das ist natürlich alles vorstellbar. Ich glaube, grundsätzlich geht’s in allen Bereichen in diese Richtung, dass Maschinen, dass Daten vernetzt werden und dass man auch zusammen, nicht nur ein Unternehmen, sondern Unternehmen, die miteinander arbeiten, sich auch vernetzen. Und darüber könnte man natürlich einen gewissen Datenaustausch herstellen, wo man sagt: Wir können dir sagen, wie viel Stunden das Bauteil jetzt auf dem Buckel hat, und dann schicken wir dir automatischen Ersatz.

Julia Ures: Jetzt haben wir heute hier gesprochen über ein wunderbares und sehr, sehr praktisches Beispiel, auch von Digitalisierung. Wie technikaffin, Herr Galle, sind Sie in Ihrer Freizeit?

Karsten Galle: Ach, eigentlich schon sehr.

Julia Ures: Haben Sie ein Beispiel, was Sie da alles so nutzen?

Karsten Galle: Neben den normalen Smartphone-Anwendungen, Motorradnavigation, übers Handy, weiß ich nicht, Wander-Apps, solche Geschichten.

Julia Ures: Das heißt, Sie lassen sich da wirklich auch im privaten Bereich …

Karsten Galle: … inspirieren. 

Julia Ures: … unterstützen und inspirieren.

Karsten Galle: Ja genau!

Julia Ures: Herr Mithöfer, wie ist das bei Ihnen, was nutzen Sie alles?

Carsten Mithöfer: Ja, bei mir ist es ähnlich. Ich fahre viel Rad und da ist natürlich auch, wenn man in fremden Gefilden unterwegs ist, ist man ohne mobiles Endgerät, was einen dann irgendwie leitet, kommt man sowieso nicht mehr aus. Inzwischen hat man sich auch schon so stark dran gewöhnt, dass man sich darauf verlässt. Und das ist auch gut.

Julia Ures: Und nicht zuletzt, die mobilen Endgeräte sind natürlich auch mit Hauptwege geworden, wo Sie „In Sight KTR“ verfolgen, nämlich unseren Podcast hören und den Videocast sich auch anschauen. Machen Sie das bitte fleißig weiter. Wir freuen uns schon auf das nächste Thema. 20 Minuten auch dann wieder mit Expertinnen und Experten zu festgelegten Themen, aber mit Fragen, die die beiden – oder manchmal gibt’s auch einen Gesprächspartner – jedenfalls die Experten vorher nicht kennen. So war das nämlich auch heute der Fall. Und ich darf mich sehr herzlich bei Ihnen beiden bedanken, dass Sie sich darauf eingelassen haben. „In Sight KTR“ hat sich heute beschäftigt mit KTR Ident. Bis zum nächsten Mal und danke für Ihr Interesse! Tschüss!